Mittwoch, 15. April 2026

2. Kapitel: Helga (5)

Helga lächelte. „Nein, das stimmt. Das muß die Hausmutter selbst tun. Ich hoffe, daß du dich darüber freust. Und meine Aufgabe ist es, dir die Nachrichten zu überbringen.“
„Es sollte mich freuen, wenn es gute Nachrichten sind“, sagte der Mönch. Doch aus der Miene und der Unruhe der Hausherrin meinte er zu lesen, daß sie nicht gut waren.

Freitag, 13. März 2026

2. Kapitel: Helga (4)

Außerdem war dort etwas Anregendes und Leidenschaftliches, etwas, das loderte und verführte, herrschte und befahl. Die, die sich besonders klug vorkamen, sagten, das sei das Erbe der Oddaverjar: der Wissensdurst und die Bildung von Sæmundur dem Gelehrten, die Großzügigkeit und Gastfreundschaft von Jon Loftsson und die Würde von Þóra, der Tochter von König Magnus dem Barfüßigen. Helga stammte aus einer vornehmen Familie und hatte königliches Blut in ihren Adern. Keine Frau in Island war von so edler Herkunft.
„Womit habe ich diese Ehre verdient?“ stammelte der Mönch voller Demut.
„Hast du nicht nach Nachrichten gefragt, Pater?“
Der Mönch schüttelte den Kopf. „Wie sollen Nachrichten zu mir kommen? Zu dieser Jahreszeit sehe ich keine Menschenseele außer der Dienerin, die mir das Essen macht, und dem tauben alten Steinn, der auf seinem Stein getrocknete Fische weichklopft! Wer von denen bringt schon Nachrichten!“

Dienstag, 14. Oktober 2025

2. Kapitel: Helga (3)

Sie war am meisten daran gewöhnt, alles mit eiserner Faust zuzuteilen – die Sündenbekenntnisse ebenso wie das Essen. Helga war eine schöne Frau und anmutig, und noch hatte ihr Alter ihr nichts anhaben können. Sie hatte runde Wangen und helle Haut. Das Gesicht war ausdrucksvoll, die Augen hart wie Feuerstein.

Dienstag, 7. Oktober 2025

2. Kapitel: Helga (2)

Sie erzählte ihm dies und das, führte ihn in die Irre und lachte ihn zwischendurch aus. Von ihr eine echte Beichte verlangen – nein, das tat kein Mann in Island. Auch wenn der Erzbischof selbst käme, würde er nicht mehr Sünden erfahren, als es ihr beliebte, preiszugeben.

Sonntag, 18. Mai 2025

2. Kapitel: Helga (1)

Die Tür wurde hinter ihm geöffnet, und die Hausherrin Helga stand in der Tür. „Guten Tag, Pater“, sagte sie. „Störe ich dich in deiner heiligen Andacht?“ „Keineswegs“, sagte der Mönch und stand auf. Er schaute die Hausfrau an und sah, daß sie anders war als sonst. Sie atmete schwer und wirkte unruhig, obwohl sie sich beherrschte. Ihm kam der Gedanke, ob sie gekommen war, um zu beichten. Das konnte eigentlich nicht sein. Sie beichtete höchstens einmal im Monat, und auch das war nur ein Alibi. Es waren keine echten Beichten.

1. Kapitel: Snjólfur (8)

Und in gewisser Hinsicht konnte man auch sie beide zu den Frauen zählen. Steinn war ein gebrechlicher alter Mann und tat nichts anderes, als Fisch zu klopfen. Das war mehr als genug Arbeit für seine alten und lahmen Arme, und er legte bei dieser Arbeit keinen großen Eifer an den Tag, obwohl die Bewohner von Grund reichlich getrockneten Fisch brauchten. Und er selbst, der Kanoniker – er war auch nur ein halber Mann, ihm war keine Männerarbeit zugedacht. Obwohl sie beide, der alte Steinn und er, jeden Tag und den ganzen Tag mit den Frauen zusammen waren, hatte keiner Grund zur Eifersucht. Es führte dazu, daß er sich für sein Mönchsein schämte.

1. Kapitel: Snjólfur (7)

Er las von der Unmenge der Wunder, die die Gebeine der Seljamänner vollbracht hatten, womit sie sich als Heilige erwiesen hatten, von dem Licht, das König Olaf über der Insel sah, als er dort an Land segelte, und von dem Körper der Sunniva, den er unversehrt und mit geronnenem Blut vorgefunden hatte. Die glänzenden Haare, die in dem silbernen Schrein auf dem Altar in der Kirche aufbewahrt wurden, die der König dort, wo er das Licht gesehen hatte, hatte bauen lassen – all das, wovon er wußte, daß es ein Haufen Lügen war, zusammengedichtet von Männern wie ihm, um dem Prior und dem Bischof die eigene fromme Gesinnung und die Liebe zu allem, was „heilig und rein“ war, zu beweisen. Und während des Lesens hörte er schwere Schläge, die gleichmäßig und nicht oft fielen.

2. Kapitel: Helga (5)

Helga lächelte. „Nein, das stimmt. Das muß die Hausmutter selbst tun. Ich hoffe, daß du dich darüber freust. Und meine Aufgabe ist es, dir d...